Was verdient man wirklich? Gehaltsvergleich nach Branche
Ein ehrlicher Gehaltsvergleich beantwortet eine einfache Frage: Liegst du mit deinem Gehalt im normalen Bereich, darunter oder darüber? Die Antwort ist selten eine einzelne Zahl. Was man in Deutschland verdient, hängt stark an Branche, Region, Unternehmensgröße und Berufserfahrung. Unten findest du realistische Spannen nach Branche. Danach geht es darum, warum das oft zitierte Durchschnittsgehalt in die Irre führt und wie du deinen eigenen Marktwert in einer halben Stunde einordnest.
Durchschnittsgehalt oder Median: welche Zahl dir wirklich hilft
Wenn in den Nachrichten vom Durchschnittsgehalt die Rede ist, ist meistens das arithmetische Mittel gemeint. Das Problem: Ein paar sehr hohe Gehälter ziehen diesen Wert nach oben. Die Mehrheit der Beschäftigten verdient deshalb weniger als den Durchschnitt, und viele fühlen sich nach so einer Meldung grundlos unterbezahlt.
Aussagekräftiger ist der Median. Er teilt alle Gehälter in zwei gleich große Hälften: 50 Prozent verdienen mehr, 50 Prozent weniger. Für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland liegt der Median laut Statistischem Bundesamt bei knapp 4.000 Euro brutto im Monat. Das Durchschnittsgehalt liegt spürbar darüber, je nach Erhebung bei rund 4.500 bis 4.800 Euro.
Prüf bei jeder Gehaltsangabe außerdem, ob ein Monats- oder Jahresgehalt gemeint ist. Genauso wichtig: Sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld schon eingerechnet, und zählen Teilzeitstellen mit? Zwei Quellen, die sich scheinbar widersprechen, meinen oft einfach verschiedene Dinge.
Gehaltsvergleich nach Branche: realistische Spannen
Die folgende Tabelle zeigt grobe Jahresgehälter (brutto, Vollzeit) für Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung. Sie ersetzt keine Detailrecherche, gibt dir aber ein Gefühl dafür, wo deine Branche im Gesamtbild steht.
| Branche | Typische Spanne (brutto/Jahr) | Was das Gehalt stark beeinflusst |
|---|---|---|
| Banken und Versicherungen | 55.000 - 80.000 € | Tarifvertrag, Spezialisierung, Standort Frankfurt oder München |
| IT und Software | 55.000 - 80.000 € | Tech-Stack, Senioritätsstufe, Remote-Anteil |
| Pharma und Chemie | 55.000 - 80.000 € | Tarifbindung, Konzern oder Mittelstand |
| Automobil und Maschinenbau | 50.000 - 75.000 € | IG-Metall-Tarif, Entgeltgruppe |
| Öffentlicher Dienst | 45.000 - 70.000 € | Entgeltgruppe (TVöD/TV-L) und Erfahrungsstufe |
| Pflege und Gesundheit | 40.000 - 52.000 € | Tarif, Schicht- und Nachtzuschläge |
| Handel | 35.000 - 50.000 € | Tarifbindung, Filiale oder Zentrale |
| Handwerk | 32.000 - 48.000 € | Meistertitel, Region, Betriebsgröße |
| Gastronomie und Hotellerie | 28.000 - 38.000 € | Position, Trinkgeld, Saisonbetrieb |
Innerhalb einer Branche sind die Unterschiede oft größer als zwischen den Branchen. Eine Controllerin im Maschinenbau verdient häufig mehr als ein Sachbearbeiter in einer Bank, obwohl die Bank in der Tabelle weiter oben steht. Die Rolle zählt mehr als das Branchenetikett.
Was verdient man in deiner Rolle? Die vier großen Stellschrauben
Wer wissen will, was man in einem bestimmten Job verdient, muss vier Faktoren zusammen betrachten. Jeder einzelne kann dein Gehalt um 10 bis 30 Prozent verschieben.
Region. Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es nach wie vor eine Lücke, und auch im Westen trennen München, Stuttgart oder Frankfurt einiges von ländlichen Regionen. Höhere Gehälter in Ballungsräumen werden allerdings oft von höheren Mieten aufgefressen.
Unternehmensgröße. Konzerne mit mehreren tausend Beschäftigten zahlen im Schnitt deutlich mehr als kleine Betriebe. Dafür sind die Wege in kleineren Firmen kürzer, und Gehaltssprünge lassen sich dort manchmal schneller verhandeln.
Tarifbindung. In tarifgebundenen Unternehmen ist dein Gehalt über Entgeltgruppen geregelt und damit gut vergleichbar. Außertarifliche Stellen liegen darüber, sind aber Verhandlungssache.
Berufserfahrung und Verantwortung. Die größten Sprünge passieren meist in den ersten zehn Berufsjahren und beim Wechsel in eine Rolle mit Personal- oder Budgetverantwortung. Danach flacht die Kurve ab, wenn du nicht aktiv nachverhandelst oder wechselst.
So machst du deinen eigenen Gehaltsvergleich in 30 Minuten
Allgemeine Tabellen helfen bei der groben Einordnung. Für eine Verhandlung brauchst du eine Zahl, die zu deiner konkreten Situation passt. So gehst du vor:
- Jobtitel sauber festlegen. Nimm die Bezeichnung, unter der deine Stelle am Markt ausgeschrieben wird, nicht den internen Titel deiner Firma.
- Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit prüfen. Dort findest du Medianwerte nach Beruf, Bundesland, Alter und Geschlecht. Die Daten stammen aus Meldungen zur Sozialversicherung und sind deshalb belastbarer als Umfragen.
- Zwei Gehaltsportale gegenchecken. Stepstone, Kununu oder Glassdoor zeigen Spannen aus Nutzerangaben. Einzelwerte sind wackelig, die Tendenz über mehrere Quellen ist brauchbar.
- Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe sammeln. Immer mehr Firmen nennen eine Spanne. Fünf bis zehn Anzeigen in deiner Region zeigen dir, was Arbeitgeber gerade tatsächlich zahlen wollen.
- Tarifvertrag nachschlagen. Falls deine Branche tarifgebunden ist, sind die Entgelttabellen öffentlich. Das ist die härteste Untergrenze, die du kriegen kannst.
- Eine Spanne bilden. Aus allen Quellen ergibt sich ein Korridor. Notiere den Median und das obere Viertel. Das obere Viertel ist dein Verhandlungsziel, wenn du überdurchschnittliche Erfahrung oder seltene Skills mitbringst.
Aus Recruiting-Sicht ist das ein großer Unterschied. Wer konkrete Marktdaten nennt, bekommt seltener ein reflexhaftes Nein, weil die Personalabteilung die Zahl nicht einfach als Wunschdenken abtun kann.
Was du mit dem Ergebnis anfängst: verhandeln oder wechseln
Liegst du im Median oder darüber, ist das eine gute Nachricht und eine gute Basis für die nächste Gehaltsrunde. Liegst du deutlich darunter, hast du zwei Wege.
Der erste ist das Gespräch mit deinem aktuellen Arbeitgeber. Mit deinem Gehaltsvergleich in der Hand hast du ein sachliches Argument statt eines Bauchgefühls. Wie du das Gespräch aufbaust und welche Formulierungen funktionieren, steht im Artikel zur Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch, die Prinzipien gelten intern genauso.
Der zweite Weg ist der Wechsel. Interne Erhöhungen bewegen sich oft im Bereich von wenigen Prozent pro Jahr, während ein Wechsel häufig 10 bis 20 Prozent bringt. Ob sich das in deinem Fall rechnet, kannst du mit unserem Leitfaden Jobwechsel für mehr Gehalt durchgehen.
Gerade beim Wechsel lohnt es sich, nicht nur auf ausgeschriebene Stellen zu warten. Viele gut bezahlte Positionen werden über direkte Ansprache besetzt, bevor eine Anzeige online geht. Wer Entscheider in passenden Unternehmen gezielt anschreibt, hat bei der Gehaltsfrage oft mehr Spielraum, weil kein Dutzend Mitbewerber mit niedrigeren Forderungen im Rennen ist.
Ein Gehaltsvergleich ist also kein einmaliger Check. Mach ihn einmal im Jahr, am besten vor deinem Mitarbeitergespräch. Dann merkst du rechtzeitig, wenn dein Gehalt und der Markt auseinanderlaufen.
Häufige Fragen zu Bewerbungsbutler
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